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Der Unterhaltsanspruch

Wie schon bei den Themen ALG II und BAB ist auch bei der Frage nach dem Unterhaltsanspruch die gängige Meinung der selbsternannten Internet-Experten recht eindeutig: bei einer Zweitausbildung besteht kein Anspruch auf Unterhalt durch die Eltern, da die Unterhaltspflicht mit der Erstausbildung ende.

Und wie schon bei den anderen Themen ist diese Auskunft falsch: unter bestimmten Voraussetzungen besteht durchaus ein Anspruch auf Unterhalt auch bei einer Zweitausbildung, nämlich wenn

  • der Beruf aus gesundheitlichen oder sonstigen, bei Ausbildungsbeginn nicht vorhersehbaren Gründen nicht ausgeübt werden kann;

lupe.jpg (1728 Byte) Jasmin hat den Beruf als Kosmetikerin erlernt. Zum Ausbildungsende erweist sich, daß sie gegen bestimmte Chemikalien sehr allergisch reagiert, diese Stoffe aber für die Ausübung ihres Berufes zwingend notwendig sind.
  • der Auszubildende von seinen Eltern in einen unbefriedigenden, seine Begabung nicht hinreichend Rechnung tragenden Beruf gedrängt wurde;

lupe.jpg (1728 Byte) Uta hatte bereits während der Schulzeit arge Probleme im Fach Mathematik und schaffte nur mit Mühe eine einigermaßen befriedigende Note in diesem Fach. Dennoch wird sie nach Schulende von den Eltern dazu gedrängt, Buchhalterin zu lernen - ein klassischer Fall für einen weiterreichenden Unterhaltsanspruch.
  • die erste Ausbildung auf einer deutlichen Fehleinschätzung der Begabung beruhte;

lupe.jpg (1728 Byte) Alle - Eltern, Großeltern und letztendlich auch Arne - sind davon überzeugt, daß Arne kreativ sei, weil er schon seit Kindeszeiten stundenlang im Internet surfte und auch eigene Internetseiten erstellte. Flugs wurde ohne weiteres Nachdenken entschieden, daß Arne eine Ausbildung als Webdesigner machen muss - eine krasse Fehlentscheidung, wie sich recht schnell herausstellte. Denn das Basteln irgendwelcher Seiten hat nun einmal nichts mit einer (erforderlichen) Begabung zu tun...
  • während des ersten Teil der ersten Ausbildung eine die Weiterbildung erforderliche besondere Begabung ersichtlich geworden ist;

  • die weitere Ausbildung zweifelsfrei als eine bloße in engem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang stehende Weiterbildung zu dem bisherigen Ausbildungsweg anzusehen ist und von vornherein angestrebt war. Dies gilt auch dann, wenn den Eltern die Absicht des Auszubildenden bekannt war, dass dieser eine Zweitausbildung machen wolle und die Eltern dem nicht widersprochen haben;

  • ein Kind nach Erlangung der Hochschulreife auf dem herkömmlichen schulischen Weg (Abitur) eine praktische Ausbildung (Lehre) absolviert hat und sich erst danach zu einem Studium entschließt (sog. Abitur-Lehre-Studium-Fälle). Hier müssen allerdings die einzelnen Ausbildungsabschnitte in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang stehen und die praktische Ausbildung und das Studium sich jedenfalls sinnvoll ergänzen.

Der in den letzten beiden Punkten genannte „zeitliche und sachliche“ Zusammenhang ist dabei von besonderer Bedeutung. Mit dem „sachlichen Zusammenhang“ die Anknüpfung des Studiums an die Inhalte der ersten Ausbildung gemeint. Hat der Auszubildende also z.B. eine Lehre als Tierpfleger absolviert, so ist kein sachlicher Zusammenhang erkennbar, wenn er anschließend Humanmedizin studieren will. Anders würde das bei einem Studium der Veterinärmedizin aussehen. Für den geforderten „zeitlichen“ Zusammenhang sind maximal 2 Jahre zwischen Erst- und Zweitausbildung anzusehen.