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Das BAB

Es wird im Internet von selbst ernannten "Experten" immer wieder behauptet, dass es bei einer Zweitausbikldung generell keinen Anspruch auf BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) gebe. Andere "Experten" erklären wiederum, daß BAB auch bei einer Zweitausbildung ohne Probleme möglich sei.

Beides ist nicht richtig.

Das für das BAB zuständige SGB (Sozialgesetzbuch) III sieht auch bei einer Zweitausbildung die Möglichkeit vor, BAB zu beziehen - wenngleich nur unter engen Voraussetzungen.

Schauen wir uns den entsprechenden § 60 Abs. 2 des SGB III näher an:

gesetz.jpg (1082 Byte) Förderungsfähig ist die erstmalige Ausbildung. Eine zweite Ausbildung kann gefördert werden, wenn zu erwarten ist, dass eine berufliche Eingliederung dauerhaft auf andere Weise nicht erreicht werden kann und durch die zweite Ausbildung die berufliche Eingliederung erreicht wird.

Was hat es mit der beruflichen Eingliederung auf sich?

Das läßt sich am besten mit Beispielen erläutern.

lupe.jpg (1728 Byte) Johannes hat den Beruf eines Kfz-Mechaniker erlernt, findet aber in Ortsnähe keinen Betrieb, der ihn einstellt. Daher entschließt er sich, ein Zweitausbildung als Webdesigner zu beginnen, da ihm die Arbeit sowieso besser als die in der Werkstatt gefällt und er auch eine Werbeagentur vor Ort hat, die eine Einstellungszusage nach erfolgreichen Beendigung der Zweitausbildung gibt.

Hier liegt kaum eine mangelnde berufliche Eingliederung vor. Erstens sind Kfz-Mechaniker auf dem Arbeitsmarkt gefagt (Autowerkstätten gibt es bekanntlich überall) und zweitens kann von Johannes durchaus Flexibilität verlangt werden, was den Anfahrtsweg zur Werkstatt betrifft. Daher dürfte ein Antrag auf BAB abgelehnt werden.

Weiter mit den Beispielen.

lupe.jpg (1728 Byte) Corinna hat den Beruf einer Arzthelferin erlernt und auch direkt nach Ausbildung einen Arbeitsplatz gefunden. Dann wurde sie schwanger, woraufhin das Arbeitsverhältnis in der einzigen Arztpraxis vor Ort während der Elternzeit endete. Die nächste Arztpraxis, die Corinna nach Elternzeit einstellen würde, ist 2 Stunden vom Wohnort entfernt. Da Corinna alleinerziehend ist und sich angesichts des Babys diesen Anfahrtsweg nicht zumuten will, will sie eine Zweitausbildung als Kosmetikerin machen.

Der Antrag dürfte abgelehnt werden. Wie auch schon im ersten Beispiel ist der Beruf einer Arzthelferin durchaus auf dem Arbeitsmarkt gefragt, notfalls kann es Corinna auch zugemutet werden, in die Nähe eines neuen Arbeitsortes umzuziehen. Daneben fehlt hier aber noch eine weitere wichtige Voraussetzung: die vom Gesetzgeber "dauerhaft" geforderte Umnöglichkeit der Integration in den Arbeitsmarkt. Diese Dauerhaftigkeit liegt hier nicht vor: in durchaus absehbarer Zeit ist das Baby kein Baby mehr, sondern ein Kind - und spätenstens dann kann Corinna auch ein etwas längerer Arbeitsweg zugemutet werden.

lupe.jpg (1728 Byte) Arne war während seiner Ausbildung als Bäcker mit allem mögliche beschäftigt - er investierte viel Zeit in Mädchen, seinem Roller und dem Abhängen mit seinen Kumpfels. Nur für eines hatter nie so richtig Zeit: seinem Ausbildungsberuf. Dementsprechend schlecht sind seine Leistungen in dem erlernten Beruf. Er entschließt sich daher für eine berufliche Umorientierung und nimmt sich vor, das ganze ernsthafter anzupacken.

Der Entschluß zur Umorientierung ehrt Arne zwar, nutzt ihm aber nichts, was den Antrag auf BAB betrifft. Das Arbeitsamt wird einen solchen Antrag ablehnen - zuerst mit den schon aus dem ersten und zweitem Beispiel sattsam bekannten Grund, daß sein Berufsbild als Bäcker durchaus gesucht wird. Hinzu kommt noch eine weitere Erwägung: angesichts der Erfahrungen mit der Unlust Arnes in der ersten Ausbildung ist es eher zweifelhaft, ob er sich wirklich bei einer Zweitausbildung am Riemen reißt und somit eine tatsächliche Eingliederung in den Arbeitsmarkt schafft. Dies ist aber Voraussetzung für eine Zweitförderung.

lupe.jpg (1728 Byte) Elisabeth hat Buchbinderin in der Fachrichtung Einzel- und Sonderanfertigen gelernt. Trotz intensiver bundesweiter Arbeitsplatzssuche findet sie keinen Betrieb, der sie einstellen will.

Das wäre ein klassischer Fall für eine Förderung mit BAB bei einer Zweitausbildung, da die Arbeitsaufnahme in ihrem ursprünglichen Beruf objektiv nicht erreicht werden kann. Hier sind die Chancen für eine entsprechende BAB-Gewährung sehr gut.

Aber Vorsicht:

ausrufezeichen2.gif (1830 Byte) Grundsätzlich ist die Gewährung von BAB bei einer Zweitausbildung eine Ermessensentscheidung des Arbeitsamtes. Das bedeutet, daß selbst bei dem Nachweis der mangelnden beruflichen Eingliederung ein Rechtsanspruch auf das BAB nicht besteht. Dementsprechend sollte man sich sehr gut auf ein entsprechendes Gespräch mit dem Arbeitsamt vorbereiten! Im Beispiel mit Elisabeth würde das bedeuten, dass man Nachweise über die erfolglosen Bewerbungen, die entsprechenden Ablehnungen sowie eine Analyse über die Jobangebote vorlegt.

Die zuletzt genannte Analyse erreicht man, indem man (damit die Analyse tagesaktuell ist) möglichst am Tag vor dem Gespräch die arbeitsamtseigene Jobbörse aufruft und dort den erlernten Beruf eingibt. Natürlich können Sie auch andere Jobbörsen aufrufen - allerdings zeigt die Praxis, dass die Sachbearbeiter in den Arbeitsämtern fast nur mit der amtseigenen Börse arbeiten.

Bitte geben Sie in der Jobbörse in keinem Fall einen (gewünschten) Arbeitsort an - aus den oben genannten Beispielen ist ersichtlich, daß Flexibilität erforderlich ist und die Begrenzung der Sxcuhe wäre damit kontraproduktiv.

Im Beispiel der Buchbinderin ergibt die Suche dann zum Beispiel zum Zeitpunkt des Schreibens des Artikels 12 Angebote an. Das erscheint auf dem ersten Blick eine hohe Zahl zu sein - aber eben nur auf dem ersten Blick, denn diese 12 Angebote gelten für ganz Deutschland. Nehmen wir als Gegenbeispiel den Beruf der Bäckers, so ergibt die Suche dann eine wirklich hohe Zahl, nämlich 274 Angebote - nur allein für Berlin...

Neben dieser Analyse sollte man analog die Datenbank zu dem gewünschten Beruf vorlegen, um somit nachweisen zu können, daß ein entsprechender Bedarf für den neuen Ausbildugsberuf vorliegt.